Glück Zu  
Der alte Müllergruß


G lück Zu hieß der Müllergruß. Glück brauchte der Müller in besonderem Maße. Unvorhersehbaren Geschehnissen und sogar Gefahren war er in seiner Mühle ausgesetzt. Hochwasser drohte seinem Anwesen, Mühlsteine konnten sich im schnellen Lauf erhietzen und sogar auseinander reißen, im Winter ließ Eis das Mühlrad ruhen, Antriebsräder konnten brechen, denn alles unterlag ständig einer hohen Beanspruchung. Auch der normale Arbeitstag war schwer. Es wurde gearbeitet, wenn es die Bedingungen zuließen. Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, wo sonst die Arbeit ruhte, Zwangspausen drohten immer. Der Sommer ließ das Wasser knapp werden, der Winter ließ es zu Eis erstarren. Vom Geschick des Müllers, von seiner Erfahrung und dem Können war das erfolgreiche Klappern der Mühle abhängig. Überall im Anwesen waren die Geräusche der Mahlgänge hörbar und zu fühlen: Rütteln, Schütteln, Knarren, Knirschen, Klopfen ... Schon im voraus hörte das geübte Ohr des Müllers, wenn Unheil drohte. War das Korn in der Gosse alle, ertönte der Klingelmann, ließ die Qualität des Mehles nach, mussten die Mühlsteine neu bearbeitet werden. Ein gutes Mehl erforderte 7 Mahlgänge - 7mal wurde das gleiche Mahlgut in Säcken wieder nach oben getragen. Wenn das Mühlrad sich unregelmäßig drehte, mußte das Wasser reguliert werden. Der Müller kam nur selten zur Ruhe. Er wohnte mit seiner Familie und den Knechten in der Mühle. Meist war es das Obergeschoß der Wassermühle. Neben der Instandhaltung der Anlage, musste das gesamte Haus ständig von feinem Mehlstaub gesäubert werden. Über ankommendes Korn und abgeliefertes Mehl und die Kleie wurde genau Buch geführt. Augen, Ohren und Hände des Müllers wurden immer und überall gebraucht. Anstrengung, Mühe und Sorgen gehörten zum Leben des Müllers und der Müllerin. Oft wurde auch noch eine kleine Landwirtschaft betrieben. Hier war die Müllerin zuständig, obwohl auch sie einen langen Arbeitstag hatte. Neben ihrer Hilfe in der Mühle, bewältigte sie den Haushalt, mußte kochen, waschen, putzen, nähen, die Kinder und die Knechte versorgen. "Glück zu!" brauchten auch die Müllerin und alle anderen Bewohner der oft abseits im Tal gelegenen Mühle.

Wappen Mühlstein

D er Müllergruß hat seinen Ursprung in der Zeit, als die freigesprochenen Müllergesellen auf Wanderschaft gingen. Auf der Wanderschaft gab es bestimmte Rituale, zu denen auch die Begrüßung zählte.

Der Geselle schritt zur Mühlentreppe, steckte den Stock durch die dritte Stufe, legte sein Bündel daneben und wartete, vom ältesten Gesellen mit "Glück zu!" angesprochen zu werden. Die Antwort lautete: "Schönen Gruß von Meistern und Gesellen!" Es folgte ein kurzer Plausch über Gott und die Welt

.... Später beim Müllermeister oder Mühlenbesitzer: Wandergeselle: "Glück zu! Gruß von Meistern und Handwerk!" Müller: "Willkommen und Glück zu, Geselle!" Wandergeselle: "Herr Meister! Mit Gunst und Erlaubnis, ist es erlaubt, um Arbeit anzusprechen?"

"Glück zu!" galt auch als Abschiedsformel, nämlich Glück zu auf allen (weiteren) Wegen, denn die Wanderschaft war sicher nicht immer ungefährlich.

Bei den Mühlenbauern gibt es einen ähnlichen Gruß: "Rad Glück!"

Der Mühlstein

Mühlsteine - das Herzstück der Mühle. Neben dem Mühlrad ist der Mühlstein oder Mahlstein zum Sinnbild der Mühle geworden. Von großer Bedeutung war von jeher seine Qualität. Er muß hart, darf aber dabei nicht spröde sein. Da der Transport der schweren Steine unter früheren Bedingungen, man denke nur an den Zustand der Wege, äußerst schwierig war, suchte man den geeigneten Stein in näherer Umgebung. Sandstein ist im allgemeinen gut geeignet, je härter und körniger er ist. Wenn der Stein seine Scheibenform und das Auge erhalten hatte, mußten der Boden- und der Läuferstein noch „rauhgehauen" werden. Erst Rillen, bzw. Furchen machten die Steine funktionstüchtig, d. h. sie konnten das Korn zerreiben und an den Rand der Steine befördern. Diese „Schärfe" mußte vom Müller regelmäßig erneuert werden, bis der Stein verschlissen war. Meist war der Bodenstein radial und der Läufer gekrümmt gefurcht. Für diese Arbeit standen dem Müller zwei unterschiedliche Hämmer zur Verfügung: Die „Picke" für die Rillen und der „Kranshammer" für die Wangen. Mit dem „Mühlsteingalgen" wurde dabei der 6 bis 8 Zentner schwere Läuferstein zur Seite gelegt. Auch das war eine schwere Arbeit.  

Geradlinig angeordnete Furchen (Hauptfurchen) Geradlinig angeordnete Furchen mit Nebenfurchen im Bereich der Mahlbahn Kreis- und Bogenschärfen mit Nebenfurchen