Das Erzgebirge

Vom Miriquidi zum Erzgebirge

Luftbild

Über die früheste historische Zeit ist uns wenig bekannt. Umherziehende Jägersippen mögen sich bis zu den Anfängen der Gebirgstäler vorgewagt haben. Andere, die bereits verstanden, Tiere zu halten und in primitiver Weise ein paar Felder zu bebauen, folgten. Aber auch sie werden sich von dieser Gebirgswaldwildnis ferngehalten haben. Standen doch ringsum, besonders in der Elbtalweitung, klimatisch günstigere, fruchtbare und leicht zu bearbeitende Gebiete ausreichend zur Verfügung, warum sollten Menschen sich in dem siedlungsfeindlichen, unwegsamen, dicht bewaldeten Bergland sesshaft machen? Nur die nach Norden gerichteten Täler wie das Müglitztal dienten schon sehr früh als Durchgangswege, die aus dem alten böhmischen Kulturland über den Erzgebirgskamm ins Elbtal führten.
Um 600 u. Z, etwa hatten slawische Stämme, darunter die Daleminzen, zunächst das Elbtal besiedelt. Vom Daleminzergau aus durchstreiften nomadisierende Slawen den Miriqidiwald und schufen sich Orientierungspunkte. Flussnamen wie Weißeritz (wistriza = die Wilde, Schäumende), Müglitz und Lockwitz belegen dies. Auch Ortsnamen wie Bobritzsch (bobr = der Biber) deuten auf die slawische Besiedlung hin. Ihre Unterwerfung der Slawen begann im 10. Jahrhundert, als Heinrich I. um 928/29 die Daleminzen besiegte und die Burg Meißen gründete. Damals bildeten sich in Prag und Meißen weltliche und kirchliche Machtzentren, und beide, Böhmen wie Meißen, begannen das zwischen ihnen liegende Waldgebirge zu erschließen, die einen vom Süden, die anderen vom Norden her. Das Gebirge hatte weder einen Namen noch eine Grenzlinie, weil es zwischen niemandem aufgeteilt worden war. Und ein Herrschaftsanspruch galt seinerzeit nur dort, wo Herrschaft auch tatsächlich ausgeübt wurde, das heißt, durch Vasallen, den Landesfürsten selbst oder durch Burgen und ihre Besatzungen. Nun trachteten beide Länder danach, möglichst große Stücke des erzgebirgischen Waldes unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Öfter wurde das Grenzgebiet in Fehden hineingezogen, wie sie unter Feudalnachbarn an der Tagesordnung waren. Noch ahnte weder der böhmische noch der meißnische Fürst, welche Schätze dieses Grenzgebirge, um das sie sich rauften, barg.
Bergbau

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Die Siedler

Bis ins 12. Jahrhundert hinein hatte es im Gebiet des östlichen Erzgebirges kaum eine landwirtschaftliche Besiedlung gegeben. Nun rückten die Siedler, deutsche Bauern vorwiegend aus Thüringen und Franken, die im Zuge der von den Meißner Markgrafen geförderten feudalen Ostexpansion bereits im sächsischen Flachland gerodet und gesiedelt hatten, auch gegen die dem Gebirge vorgelagerten Wälder vor und nahmen den Boden des Gebirges selbst, seine Täler, Hänge und Hochflächen in Besitz. Aber auch Böhmen war auf Herrschaftsanspruch und Machtzuwachs bedacht. So griffen auch vom Süden her die Siedlungen in die Wälder. Die böhmischen Herrschaften waren sogar in einem gewissen Vorteil, weil die Strecke vom Südfuß des Gebirges bis zum Kamm und darüber hinaus kürzer und daher rascher zu bewältigen war als die auf der meißnischen Seite, die über den langen, langsam ansteigenden Nordhang verlief. Dieser damalige böhmische Vorsprung hat bis heute seine Bedeutung behalten. Verläuft doch die Grenze nicht genau den Kamm des Gebirges entlang, sondern ein Stück nördlich. Die deutsche Besiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts ging in einer gar nicht mittelalterlich anmutenden Einheitlichkeit und Planmäßigkeit vor sich. Das Siedeln selbst spielte sich sehr organisiert ab. Eine Schar Bauern unterstand dem sogenannten Lokator, der sie ins Land geführt hatte. Er handelte im Auftrag seines Siedelherrn, eines lehnspflichtigen Vasallen oder eines kirchlichen Ritterordens. Der Lokator vollzog nun den Siedlungsakt, der mit der Ortsgründung begann. Rechts und links ein wenig erhöht über der Talmulde des Dorfbaches wurden die Bauernhäuser gereiht, das heißt, zunächst der Bauplatz festgelegt. An den Hof unmittelbar anschließend bekam jeder Siedler einen Flurstreifen, der sich den Hang hinaufzog, eine sogenannte Hufe. Das Los entschied. Überall war es die fränkische Hufeneinteilung, die den hiesigen Geländeverhältnissen am besten entsprach. Das Gemeindeland wurde gesondert bestimmt. Der Lokator, nun in der Funktion des Dorfschulzen, erhielt häufig eine Doppelhufe, dazu Privilegien wie das Schankrecht und die niedere Gerichtsbarkeit. Und meist bekamen die Dörfer den deutschen Name des Lokkator wie z.B. Dittersdorf oder Waltersdorf.
Lauenstein Bärenstein